Starkregen-Risiko in Deutschland: Zahlen, Häufigkeit & gefährdete Regionen 2026

Starkregen gehört zu den Wetterextremen, die Deutschland zunehmend beschäftigen. Anders als bei klassischen Flusshochwassern können Starkregenereignisse praktisch überall auftreten – auch weit entfernt von großen Flüssen. Innerhalb weniger Minuten oder Stunden können große Wassermengen fallen, die Kanalisation überlasten, Straßen überfluten und Sturzfluten auslösen.

Für 2026 stehen durch die fortlaufende Auswertung von Radardaten umfangreiche Informationen über Starkregenereignisse zur Verfügung. Gleichzeitig zeigt sich: Eine einzelne Region Deutschlands lässt sich nicht pauschal als „Starkregenregion“ bezeichnen. Das Risiko hängt stark von Niederschlagsintensität, Gelände, Bebauung, Boden, Entwässerung und der Lage von Gebäuden ab.

Was gilt 2026 als Starkregen?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) unterscheidet bei seinen Warnungen mehrere Intensitätsstufen. Als Starkregen gelten Niederschlagsmengen von 15 bis 25 Litern pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde beziehungsweise 20 bis 35 Litern innerhalb von sechs Stunden.

Bei mehr als 25 bis 40 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde oder mehr als 35 bis 60 Litern in sechs Stunden wird vor heftigem Starkregen gewarnt. Bei mehr als 40 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde beziehungsweise mehr als 60 Litern in sechs Stunden gilt die höchste Warnstufe für extrem heftigen Starkregen.

DWD-Warnstufe Niederschlag in 1 Stunde Niederschlag in 6 Stunden
Starkregen 15–25 l/m² 20–35 l/m²
Heftiger Starkregen >25–40 l/m² >35–60 l/m²
Extrem heftiger Starkregen >40 l/m² >60 l/m²

Bereits 40 Liter Regen pro Quadratmeter entsprechen dabei einer erheblichen Wassermenge: Auf einer Fläche von 100 Quadratmetern landen innerhalb einer Stunde rund 4.000 Liter Wasser.

Wie häufig tritt Starkregen in Deutschland auf?

Aktuelle Radardaten zeigen, dass Starkregen kein seltenes Phänomen einzelner Regionen ist. Der DWD wertet mit seinem Ereigniskatalog CatRaRE radarbasierte Niederschlagsereignisse deutschlandweit aus. Die aktuelle Version 2026.01 umfasst Ereignisse für den Zeitraum von 2001 bis einschließlich 2025 und basiert auf einem deutschlandweiten 1-Kilometer-Raster.

Bereits für 2024 wurden im DWD-Katalog 1.557 Starkregenereignisse mit einer Dauer von 1 bis 9 Stunden erfasst. Auffällig ist dabei die Kleinräumigkeit: 86 Prozent dieser Ereignisse hatten eine Ausdehnung von weniger als 100 Quadratkilometern.

Das erklärt, warum Starkregen lokal enorme Schäden verursachen kann, ohne dass gleichzeitig große Teile eines Bundeslandes betroffen sein müssen.

Starkregen-Risiko 2026 nach Regionen

Eine Rangliste der Bundesländer mit dem „höchsten Starkregenrisiko“ wäre wissenschaftlich nur eingeschränkt sinnvoll. Starkregen kann grundsätzlich überall auftreten. Dennoch gibt es Regionen und Landschaftsformen, in denen bestimmte Folgen besonders wahrscheinlich sind.

Region/Landschaft Besonderheit beim Starkregenrisiko 2026
Alpen und Alpenvorland Sehr hohe Niederschlagsmengen bei bestimmten Wetterlagen; zusätzlich erhöhtes Risiko durch Hanglagen
Mittelgebirge Gefälle begünstigt schnellen Oberflächenabfluss und Sturzfluten
Südwestdeutschland Teilweise hohe Gewitter- und Starkregenaktivität
Westdeutschland Starkregen kann in dicht besiedelten Gebieten schnell zu Überflutungen führen
Städte und Ballungsräume Versiegelte Flächen reduzieren die Versickerung
Tiefland und Flussniederungen Geringes Gefälle kann Wasseransammlungen begünstigen
Ländliche Hanglagen Oberflächenwasser kann sehr schnell in Richtung Gebäude und Straßen abfließen
Grundsätzlich ganz Deutschland Auch Regionen außerhalb klassischer Hochwassergebiete können betroffen sein

Der DWD weist darauf hin, dass kurze Starkregenereignisse in Deutschland praktisch überall vorkommen. Bei längeren Niederschlagsereignissen zeigt sich dagegen ein stärkerer Zusammenhang mit der Topografie. Besonders der Alpenraum ist von extremen Niederschlagsereignissen betroffen.

Warum Städte besonders gefährdet sein können

Starkregen wird häufig mit Bergen oder Flusstälern verbunden. Für das tatsächliche Schadensrisiko ist jedoch auch die Bebauung entscheidend.

In Städten können große asphaltierte und betonierte Flächen dazu führen, dass Regenwasser nicht schnell genug versickert. Straßen, Plätze, Parkplätze und Dächer leiten das Wasser stattdessen in die Kanalisation oder in tiefer liegende Bereiche.

Problematisch sind deshalb beispielsweise Tiefgaragen, Unterführungen, Keller, Senken und Gebäude mit ebenerdigen oder tief liegenden Eingängen.

Auch Straßen können erheblich betroffen sein. Nach Angaben des Umweltbundesamtes waren in Deutschland zwischen 5 und mehr als 30 Prozent der Bundesfernstraßen pro Jahr von unwetterartigen Starkregen der Warnstufe 3 betroffen.

Starkregen ist nicht dasselbe wie Flusshochwasser

Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen Starkregen und klassischem Flusshochwasser. Bei einem Flusshochwasser steigt der Wasserstand eines Gewässers infolge großer Wassermengen. Starkregen kann dagegen direkt vor Ort zu Überschwemmungen führen.

Das bedeutet: Ein Grundstück kann außerhalb eines klassischen Überschwemmungsgebiets liegen und trotzdem ein erhebliches Starkregenrisiko besitzen.

Besonders gefährlich sind sogenannte Sturzfluten. Das Wasser sammelt sich dabei auf Straßen und Flächen und fließt mit hoher Geschwindigkeit in tiefer gelegene Bereiche. Gefälle, Mauern, Straßenführungen und Durchlässe können den Wasserstrom zusätzlich beeinflussen.

Nimmt Starkregen durch den Klimawandel zu?

Die Entwicklung ist komplexer, als eine einfache Aussage „Starkregen nimmt überall zu“ vermuten lässt. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass langfristige Trends bei Starkniederschlägen schwieriger statistisch nachzuweisen sind als beispielsweise Veränderungen bei Temperaturen. Die Ereignisse sind räumlich und zeitlich sehr variabel.

Gleichzeitig gibt es deutliche physikalische Gründe dafür, dass eine wärmere Atmosphäre stärkere Niederschlagsereignisse begünstigen kann. Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Das Umweltbundesamt nennt als Größenordnung etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf pro einem Grad Celsius Erwärmung.

Der DWD stellt bei seinen Niederschlagsauswertungen vielerorts eine Tendenz zu mehr Starkregen fest, weist aber ebenfalls darauf hin, dass die verfügbaren Daten für manche Aussagen noch nicht lang genug sind, um den beobachteten Trend eindeutig dem Klimawandel zuzuschreiben.

Neue Starkregenkarte für Deutschland

Für die Risikovorsorge ist 2026 besonders die bundesweite Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG) relevant. Sie simuliert unter anderem Überflutungstiefen, Fließgeschwindigkeiten und Fließrichtungen.

Berücksichtigt werden zwei Szenarien: ein außergewöhnliches Starkregenereignis mit einer regional unterschiedlichen statistischen Wiederkehrzeit von 100 Jahren sowie ein extremes Szenario mit 100 Millimetern Niederschlag innerhalb einer Stunde.

Die bundesweite Kartierung ist 2026 allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen. Anfang 2026 lagen entsprechende Daten unter anderem für Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Hamburg vor. Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und das Saarland befanden sich noch in Bearbeitung. Das BKG erwartet die vollständige bundesweite Verfügbarkeit ab Ende 2026.

Wo ist das persönliche Risiko besonders hoch?

Für Hauseigentümer ist weniger entscheidend, ob das eigene Bundesland statistisch viele Starkregenereignisse aufweist. Wichtiger sind die konkreten örtlichen Bedingungen.

Besonders kritisch können sein:

  • Grundstücke am Hang oder unterhalb eines Hanges
  • Häuser in Senken und Mulden
  • Kellerabgänge und Lichtschächte
  • Tiefgaragen und Untergeschosse
  • Gebäude mit ebenerdigen Türen ohne Schutz
  • Grundstücke mit großen versiegelten Flächen
  • kleine Bäche und Gräben in der Nähe
  • Straßen mit starkem Gefälle
  • Bereiche, in denen sich Wasser aus mehreren Straßen sammelt

Die BKG-Hinweiskarte ist deshalb eine wichtige erste Orientierung. Für konkrete Bau- oder Schutzmaßnahmen sollten zusätzlich kommunale Starkregengefahrenkarten und lokale Informationen herangezogen werden, da die bundesweite Karte ausdrücklich nicht für eine metergenaue Gefahrenbewertung gedacht ist.

Fazit: Starkregen kann 2026 grundsätzlich überall auftreten

Das Starkregenrisiko in Deutschland lässt sich 2026 nicht auf einige wenige Regionen beschränken. Die Radardaten des DWD zeigen, dass kurze und intensive Niederschlagsereignisse deutschlandweit auftreten können. Besonders problematisch wird Starkregen dort, wo große Wassermengen auf kurze Zeit treffen und gleichzeitig Gelände, Bebauung oder Entwässerung einen schnellen Wasserabfluss begünstigen.

Für die persönliche Risikoeinschätzung sind deshalb nicht nur regionale Wetterstatistiken entscheidend. Die konkrete Lage des Grundstücks, Höhenunterschiede, Versiegelung, Kanalisation und mögliche Fließwege spielen eine mindestens ebenso wichtige Rolle.

Wer das eigene Starkregenrisiko 2026 einschätzen möchte, sollte daher zunächst die bundesweite Hinweiskarte und – sofern vorhanden – die Starkregengefahrenkarte der jeweiligen Kommune beziehungsweise des Bundeslandes prüfen.

Quellen und weiterführende Informationen