Deutschland erlebt deutlich häufiger außergewöhnliche Hitze als noch vor einigen Jahrzehnten. Besonders die Zahl der sogenannten Heißen Tage mit mindestens 30 °C hat sich langfristig stark erhöht. Auch Tropennächte, bei denen die Temperatur nicht unter 20 °C fällt, treten häufiger auf. Gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren mehrere nationale Temperaturrekorde aufgestellt.
Die Statistik für 2026 zeigt deshalb vor allem einen langfristigen Trend: Hitzeperioden sind in Deutschland heute wesentlich häufiger als in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Für das Kalenderjahr 2026 ist allerdings zu beachten, dass zum aktuellen Stand Anfang Oktober noch kein vollständiger Jahresdatensatz vorliegt.
Was ist ein Heißer Tag?
Der Deutsche Wetterdienst bezeichnet einen Tag als Heißen Tag, wenn die maximale Lufttemperatur mindestens 30 °C erreicht. Früher wurde dafür auch der Begriff „Tropentag“ verwendet. Ein Sommertag beginnt dagegen bereits bei mindestens 25 °C.
Damit sind Heiße Tage ein vergleichsweise seltener, aber gut messbarer Indikator für starke Wärme.
| Klimakenntag | Definition |
|---|---|
| Sommertag | Höchsttemperatur mindestens 25 °C |
| Heißer Tag | Höchsttemperatur mindestens 30 °C |
| Sehr heißer Tag | Höchsttemperatur mindestens 35 °C |
| Tropennacht | Tiefsttemperatur mindestens 20 °C |
Tropennächte sind insbesondere deshalb relevant, weil der Körper sich nachts nicht ausreichend abkühlen kann. Dadurch können längere Hitzeperioden gesundheitlich wesentlich belastender werden.
Heiße Tage haben sich seit den 1950er-Jahren vervielfacht
Die langfristigen Daten des DWD zeigen eine deutliche Veränderung. Im deutschlandweiten Gebietsmittel gab es in den 1950er-Jahren durchschnittlich etwa drei Heiße Tage pro Jahr. Inzwischen liegt der langjährige Wert bei ungefähr zwölf Heißen Tagen jährlich.
Damit hat sich die Zahl der Heißen Tage im Deutschlandmittel seit den 1950er-Jahren ungefähr vervierfacht. Der DWD bezeichnet diese Entwicklung als markante Zunahme von Hitzeereignissen.
Auch bei den Sommertagen ist eine deutliche Zunahme festzustellen. Die Zahl der Tage mit mindestens 25 °C hat sich seit den 1950er-Jahren etwa verdoppelt.
Entwicklung der Heißen Tage im Überblick
| Zeitraum | Deutschlandweite Einordnung |
|---|---|
| 1950er-Jahre | etwa 3 Heiße Tage pro Jahr |
| Referenzperiode 1961–1990 | etwa 4 Heiße Tage pro Jahr |
| 1990er-Jahre | deutliche Zunahme |
| 2000er-Jahre | regelmäßig deutlich über dem früheren Mittel |
| 2010er-Jahre | mehrere außergewöhnliche Hitzejahre |
| 2020er-Jahre | im Mittel etwa 12 Heiße Tage pro Jahr |
| 2026 | Jahreswert noch nicht endgültig abgeschlossen |
Der DWD stellt für Heiße Tage langjährige Stationsreihen bereit, die teilweise bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Dadurch lässt sich die Entwicklung einzelner Orte wesentlich länger untersuchen als nur anhand der bundesweiten Gebietsmittel.
2024: Fast dreimal so viele Heiße Tage wie im Referenzmittel
Das Jahr 2024 verdeutlicht, wie stark einzelne Jahre vom langfristigen Mittel abweichen können. Deutschlandweit wurden im Mittel 12 Heiße Tage registriert.
Der DWD bezeichnete diesen Wert als fast dreimal so hoch wie das Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990. Gleichzeitig gab es durchschnittlich 52 Sommertage.
Bemerkenswert war auch der frühe Beginn der Hitze: Bereits am 6. April 2024 wurde in Olsbach in Baden-Württemberg ein Heißer Tag registriert. Nach Angaben des DWD war dies der früheste Heiße Tag, der deutschlandweit bis dahin beobachtet worden war.
2025: Rund 11 Heiße Tage im Deutschlandmittel
Auch 2025 blieb die Zahl der Heißen Tage deutlich über dem historischen Niveau. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden deutschlandweit im Mittel etwa 11,1 Heiße Tage registriert.
Besonders belastete Hitzejahre waren unter anderem 2003, 2015, 2018 und 2022. In diesen Jahren wurden deutschlandweit im Mittel etwa 18 bis 20 Heiße Tage erreicht.
Der Sommer 2025 war von zwei markanten Hitzewellen geprägt. Anfang Juli wurde es besonders heiß. Am 2. Juli erreichte Andernach 39,3 °C; das deutschlandweite Flächenmittel der Höchsttemperatur lag an diesem Tag bei 35,4 °C.
Tropennächte nehmen ebenfalls zu
Nicht nur die Tageshöchsttemperaturen verändern sich. Auch die Nächte werden häufiger außergewöhnlich warm.
Eine Tropennacht liegt vor, wenn die niedrigste Temperatur während der Nacht mindestens 20 °C beträgt. Der DWD weist für Deutschland im Zeitraum 1951 bis 2024 einen langfristig steigenden Trend aus.
Zum Vergleich: Für die Referenzperiode 1961 bis 1990 lag das deutschlandweite Gebietsmittel bei lediglich 0,1 Tropennächten pro Jahr. Die LOESS-Trendentwicklung des DWD weist bis 2024 auf einen Anstieg von etwa 0,3 Tagen gegenüber der historischen Ausgangsentwicklung hin.
Dabei darf das Gebietsmittel nicht mit den Werten einzelner Städte verwechselt werden. In dicht bebauten Großstädten können Tropennächte wesentlich häufiger vorkommen, weil sich Gebäude und versiegelte Flächen tagsüber stark aufheizen und die Wärme nachts langsamer abgeben.
Städte sind besonders von Tropennächten betroffen
Das Phänomen der städtischen Wärmeinsel verstärkt die nächtliche Hitze. Der DWD berücksichtigt deshalb bei speziellen Wärmeinsel-Indikatoren auch die Differenz der Tropennächte zwischen einem städtisch beeinflussten und einem nicht städtisch beeinflussten Temperaturfeld.
Besonders betroffen sind dicht bebaute Innenstadtbereiche großer Städte. Während sich ländliche Regionen nachts teilweise stärker abkühlen, können Gebäude, Straßen und versiegelte Flächen in Städten die Wärme über viele Stunden speichern.
Für die gesundheitliche Belastung sind Tropennächte deshalb besonders wichtig. Eine einzelne sehr warme Nacht ist meist weniger problematisch als mehrere aufeinanderfolgende Nächte ohne ausreichende Abkühlung.
Die wichtigsten deutschen Temperaturrekorde
Auch bei den absoluten Höchsttemperaturen zeigt sich eine deutliche Entwicklung.
Die 40-°C-Marke wurde in Deutschland lange nur äußerst selten erreicht. 1983 wurde erstmals eine Temperatur von mindestens 40 °C registriert. In den folgenden Jahrzehnten traten solche Werte jedoch immer häufiger auf.
Eine Übersicht wichtiger Rekordjahre:
| Jahr | Temperaturrekord bzw. besonderes Ereignis |
|---|---|
| 1983 | erstmals mindestens 40 °C in Deutschland |
| 2003 | extreme Hitze, erstmals mehrere Regionen mit 40 °C |
| 2015 | 40,3 °C in Kitzingen |
| 2019 | 41,2 °C in Duisburg-Baerl und Tönisvorst |
| 2022 | 40 °C sogar in Hamburg erreicht |
| 2024 | Jahreshöchsttemperatur 36,5 °C |
| 2025 | 39,3 °C in Andernach |
| 2026 | Jahresauswertung noch nicht abgeschlossen |
Der deutsche Temperaturrekord liegt nach der Korrektur der Lingen-Messung bei 41,2 °C. Dieser Wert wurde am 25. Juli 2019 gleichzeitig in Duisburg-Baerl und Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen gemessen. Der zunächst gemeldete Wert von 42,6 °C aus Lingen wurde vom DWD später annulliert.
2019: Das außergewöhnliche Rekordjahr
Die Hitzewelle Ende Juli 2019 war meteorologisch besonders bemerkenswert. Am 24. Juli wurden in Geilenkirchen bereits 40,5 °C gemessen. Nur einen Tag später erreichten Duisburg-Baerl und Tönisvorst jeweils 41,2 °C.
Der DWD registrierte außerdem an zahlreichen Stationen Werte von mindestens 40 °C. Besonders außergewöhnlich war die großräumige Ausdehnung der Hitze.
Die Entwicklung zeigt, dass extreme Hitze nicht mehr ausschließlich in klassischen Wärmegebieten Süddeutschlands vorkommt. Auch Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und andere Regionen können inzwischen außergewöhnliche Temperaturen erreichen.
2022: 40 °C bis in den Norden Deutschlands
Der Sommer 2022 zeigte eine weitere Besonderheit. Während Temperaturen von 40 °C früher vor allem aus Süd- und Südwestdeutschland bekannt waren, wurde die 40-°C-Marke auch in Hamburg erreicht.
Der DWD stellte in seiner Analyse fest, dass sich die nördlichste Position von Messstationen mit mindestens 40 °C im Laufe der Jahrzehnte immer weiter nach Norden verschoben hat.
Das bedeutet nicht, dass Norddeutschland grundsätzlich heißer als Süddeutschland wird. Es zeigt vielmehr, dass extreme Hitze inzwischen auch in Regionen möglich ist, in denen solche Temperaturen historisch außergewöhnlich waren.
2026: Was lässt sich bereits sagen?
Für einen Statistikartikel über das Jahr 2026 muss zwischen laufenden Messungen und abgeschlossenen Jahresauswertungen unterschieden werden. Der DWD stellt mittlerweile Klimadaten bis 2026 bereit, allerdings sind je nach Datensatz und Messstation unterschiedliche Zeiträume abgeschlossen.
Die jährlichen Rasterdaten für Heiße Tage liegen beispielsweise bereits bis zum Datenjahr 2025 vor. Für einzelne Stationsdaten reichen aktuelle Reihen dagegen bereits in das Jahr 2026 hinein.
Der Sommer 2026 sollte daher nicht vorschnell mit abgeschlossenen Jahren wie 2003, 2018 oder 2022 verglichen werden. Für einen belastbaren Jahresvergleich ist der vollständige Datensatz einschließlich Herbst und Jahresende erforderlich.
Welche Regionen besonders viele Heiße Tage erleben
Die Zahl der Heißen Tage unterscheidet sich regional erheblich. Besonders häufig treten Temperaturen von mindestens 30 °C in tieferen Lagen und wärmeren Regionen Südwest- und Süddeutschlands auf.
Dazu gehören beispielsweise:
- Oberrheingraben
- Rhein-Main-Gebiet
- Teile Bayerns
- Mitteldeutsche Tiefländer
- größere Städte
- Regionen mit kontinentalerem Klima im Osten
Kühlere Bedingungen herrschen dagegen häufiger an Nord- und Ostseeküsten sowie in höheren Mittelgebirgs- und Alpenlagen.
Allerdings können außergewöhnliche Wetterlagen die regionalen Unterschiede deutlich verringern. Die Hitzewelle von 2019 ist dafür ein gutes Beispiel.
Hitzewellen werden häufiger und intensiver
Nicht nur einzelne Heiße Tage nehmen zu. Auch längere Hitzeperioden werden häufiger beobachtet.
Der DWD nennt als Beispiel 14-tägige Hitzeperioden mit einem mittleren Tagesmaximum von mindestens 30 °C. In Hamburg waren solche Ereignisse vor 1994 nicht registriert worden. Seitdem trat dieses Extrem dort bereits mehrfach auf. Auch in vielen anderen Regionen Deutschlands ist seit den 1990er-Jahren eine deutliche Häufung intensiver Hitzewellen festzustellen.
Der Unterschied zwischen einem einzelnen Heißen Tag und einer Hitzewelle ist dabei wichtig. Mehrere aufeinanderfolgende Tage mit hohen Temperaturen können für Menschen, Tiere, Landwirtschaft, Wälder und Städte deutlich belastender sein als ein kurzer Temperaturanstieg.
Blick in die Zukunft: Noch mehr Heiße Tage?
Die Klimaprojektionen des DWD gehen von einer weiteren Zunahme der Heißen Tage aus. Bei ungebremsten Treibhausgasemissionen werden für den Zeitraum 2031 bis 2060 gegenüber heutigen Verhältnissen zusätzliche Heiße Tage erwartet.
Der DWD nennt dabei Größenordnungen von etwa fünf bis zehn zusätzlichen Heißen Tagen pro Jahr in Norddeutschland und zehn bis 20 zusätzlichen Heißen Tagen in Süddeutschland.
Auch die neuen Klimaszenarien, die der DWD 2026 vorgestellt hat, bestätigen den langfristigen Erwärmungstrend. Besonders im Osten und Süden Deutschlands werden für die Zukunft mehr Hitzewellen und Tropennächte erwartet.
Fazit: Deutschland wird deutlich häufiger heiß
Die Statistik der Heißen Tage und Tropennächte zeigt einen klaren langfristigen Wandel. Während Deutschland in den 1950er-Jahren im Mittel nur ungefähr drei Heiße Tage pro Jahr verzeichnete, sind es heute durchschnittlich rund zwölf. Damit hat sich die Häufigkeit ungefähr vervierfacht.
Gleichzeitig nehmen Tropennächte zu. Für Städte kommt die Wärmeinselwirkung hinzu, wodurch insbesondere die nächtliche Abkühlung eingeschränkt wird.
Auch die Rekordtemperaturen zeigen eine Veränderung: Die 40-°C-Marke wurde zunächst nur äußerst selten erreicht. Seit 2000 gab es jedoch mehrere extreme Hitzeereignisse, darunter 2003, 2015, 2019 und 2022. Der derzeit gültige deutsche Temperaturrekord liegt bei 41,2 °C.
Für 2026 ist die langfristige Entwicklung daher wichtiger als ein einzelner Tagesrekord: Deutschland erlebt heute wesentlich häufiger heiße Tage und längere Hitzeperioden als noch vor mehreren Jahrzehnten. Der vollständige Jahreswert für 2026 kann allerdings erst nach Abschluss des Kalenderjahres endgültig in die langfristige Statistik eingeordnet werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Deutscher Wetterdienst – Faktenpapier Extremwetter 2025
- Deutscher Wetterdienst – Klimastatusbericht 2024
- DWD – Klimadaten und lange Zeitreihen zu Heißen Tagen
- DWD – Temperaturrekord und Hitzewelle Juli 2019
- DWD – Hitzereignis in Deutschland Juli 2025
- Deutscher Wetterdienst – Klimastatusbericht Deutschland 2025